FJ Schneider Heimatdichter Denkmal Aan et Freudeblömche Jahrbuch Seite 91 92 93 94 95 96 97
CD 30.11.1969 Wie die Ahle songe... Et Freudeblömche 1922 Us Heimatlied - En Rondfahrt 25.März 1998 Ming Heimat

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"ET  FREUDEBLÖMCHE" 

Zum 25. Todestag von Franz Josef Schneider

von Willi Birenfeld

Heute vor 25 Jahren, am 10. Dezember 1972, verstarb unser angesehener, geliebter Heimatdichter im Alter von 84 Jahren. Sein Tod löste über die Stadtgrenzen hinaus große Trauer aus, viele Mitbürger geleiteten ihn zu seiner letzten Ruhestätte, auch solche, die ihm in früheren Jahren skeptisch gegenübergestanden und ihn erst mit seinem fortschreitenden Werk schätzen gelernt hatten.

Meine Erinnerung an ihn reicht weit in meine Jugend zurück, sie spiegelt sich zum Beispiel in einem aus der Schulzeit hinübergeretteten Deutschaufsatz mit der Überschrift "Ein Ulkvogel", den ich als Unter- oder Obertertianer schrieb: Es regnet in Strömen. Ein älterer Herr kommt auf mich zu, die Hände in den Manteltaschen vergraben, den Hut schief auf die grauen Haare gestülpt. "Wat es dat höck für e schön Wädde, wa Jong?" Zwei schalkhafte Augen unter einer hohen Stirn blinzeln mich an. Ja, das ist er, der Herr X, wie ihn jeder in unserer Stadt kennt, jederzeit zu Späßen aufgelegt. Sein Humor ist unverwüstlich, immer weiß er mit treffenden Witzen die Menschen aufzumuntern, wobei ihm sein verschmitztes Gesicht mit der leicht vorspringenden Oberlippe sehr zustatten kommt. So ist er überall gern gesehen; besonders zu karnevalistischen Sitzungen oder dergleichen lädt man ihn wegen seiner wirkungsvoll vorgetragenen Anekdoten gerne ein. Was ihn außerdem auszeichnet, das ist seine nie versagende Schlagfertigkeit. Aus dem Stadtbild Honnefs ist er gar nicht wegzudenken, meistens trifft man ihn im Gespräch mit einem seiner vielen Bekannten, und meistens merkt man, daß die Begegnung wohl Spaß macht."

Eines Tages kam dieser Herr X, eben Franz Josef Schneider, wieder einmal auf der Straße auf mich zu - er war mir aus irgendeinem Grunde sehr zugetan, vielleicht meiner Mutter wegen, einer gebürtigen Honneferin, et Schmitze Jretche, - er kam also auf mich zu und: "Tach, Herr Willi (die Anrede Herr verdankte ich wohl dem kurz zuvor bestandenen Abitur), saht, hadder keine Bibi für mich? Ich moß do em Fastelovend opträdde, do bruchen ich eine." - Damals wußte ich nicht so recht, was darunter zu verstehen war, und machte wohl ein etwas verdutztes Gesicht. Daraufhin er: "Jo, weißte, ne Bibi es, schnigg de Rand aff, loss de Luff eruss, hässdn Baskemötz."

Zuletzt begegnete ich ihm - es ist mir unvergeßlich - auf dem Frankenweg. Er erzählte mir, er sei längere Zeit im Krankenhaus gewesen, wo es ihm gar nicht so gut gegangen sei, usw. usw. Aber dann, schon halb im Weitergehen, wieder ganz "Et Freudeblömche": "Ävve ich bin dämm Dut noch es von de Schöpp jehöpp. Use Herrjott kunnt mich seche noch nit bruche."

Übrigens: "Et  Freudeblömche", das ist zunächst der Titel einer Sammlung von Erzählungen, die Franz Josef Schneider 1922 seiner Heimatstadt zur Jahrtausendfeier gewidmet hat, später dann sein auch von ihm selbst gerne übernommener Beiname. Auf der Titelseite des schlichten Bändchens war ein Maiglöckchen abgebildet.

Wilhelm Hamacher hat herausgefunden, daß in Rheinbreitbach, wo die Großeltern Franz Josef Schneiders lebten, die Mutter stammte aus Bruchhausen, die Redewendung bekannt war: "Ich john de Freud söke" oder Ich john in de Freud", wenn man Maiglöckchen pflücken ging. Im "Rheinischen Wörterbuch " von Josef Müller, 1931 in Berlin herausgegeben, fand sich Bestätigung unter folgenden Eintragungen: "Freude = Maiglöckchen, verbreitet zwischen Neuwied und Rheinbreitbach" und "Freudenblume" als Bezeichnung für Maiglöckchen, die zwischen der mittleren Sieg und Aegidienberg verwendet werde.

Eines ist gewiß: Freudenbringer sind sie beide, das Maiglöckchen und Franz Josef Schneider!

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, das dichterische Gesamtwerk Franz Josef Schneiders zu würdigen, wohl aber einige Grundzüge, wie sie in seinen Erzählungen und Gedichten stets durchscheinen:

So seine tiefe, unvergleichliche Heimatliebe, die diesem vom Schöpfer so verschwenderisch ausgestatteten Fleckchen Erde ebenso galt wie dem von Generationen gestalteten Lebensraum der Gemarkungen, Straßen, Plätze und Gebäude.

Franz Josef Schneider war ein Freund der Menschen, vor allem der kleinen Leute, zu denen er seiner Herkunft nach selber zählte, der "Dröcklichen", der Benachteiligten, der Sonderlinge, der Urwüchsigen in ihrer ganzen Unverfälschtheit, deren Sprache er wie kaum ein anderer verstand und sprach und die er in der Mundart, der "Mottesproch", zu Wort kommen ließ und so für die Nachwelt am Leben erhielt.

Franz Josef Schneider beherrschte aber auch die pointenreiche Sprache des Witzes und der Anekdote und nicht zuletzt, ob Mundart oder Hochdeutsch, die poetische Sprache, in dem einfachen Wortsinne, daß sie Wirklichkeit, Welt schafft, erschafft oder nachschafft, dank der Vorstellungsgabe und Bildkraft des Dichters.

Die Sprache unseres Heimatdichters, vor allem die Mundart, kann eigentlich nur durch Sprechen und Hören Leben erlangen, muß immer wieder von der Fessel der sie zwar bewahrenden, aber eben leblosen Schrift befreit und der Vergessenheit entrissen werden.

So soll es auch geschehen bei einer Gedächtnisfeier für Franz Josef Schneider, die von der Stadt Bad Honnef in Zusammenarbeit mit dem Sibi-Spectrum ursprünglich für Dezember vorgesehen war, aus technischen Gründen aber auf den 25. März 1998 verschoben werden mußte.

Diese Feier wird gestaltet von der "Sproch- un Spelljropp Niederdollendorf" mit der szenischen Darbietung einer Erzählung, dem Chor "Möschtijalle" aus Oberpleis mit dem "Lied der Heimat", Dr. Elmar Heinen und Willi Birenfeld mit der Lesung ausgewählter Erzählungen und nicht zuletzt Hans-Gerd Kyczinski mit Erinnerungen an seinen Großonkel, der in der Hausgemeinschaft mit seinen Eltern lebte.
 

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CD 30.11.1969 Wie die Ahle songe... Et Freudeblömche Us Heimatlied - En Rondfahrt 25.März 1998